Gladius: die Standard-Nahkampfwaffe des römischen Legionärs

Der Gladius ist ein historisches römisches Schwert und diente dem Legionär über Jahrhunderte als Standardwaffe. Seit seinem Entstehen im 3. Jhd. v. Chr. fand das Schwert bis etwa in das 3. Jhd. n. Chr. seinen Einsatz. Der Gladius war in dieser Zeit die wichtigste Angriffswaffe der Infanterie sowie der Kavallerie. Gerade seine einfache und robuste Bauweise prädestinierte ihn zur perfekten Waffe für den Nahkampf.

Geschichte und Überblick

Der Namensursprung des Gladius ist nicht hinreichend geklärt und sorgt unter Historikern bis heute für Diskussionsstoff. Manche Forscher sind der Überzeugung, dass sich der Name des Schwerts vom lateinischen Wort clades (Verletzung oder Wunde) ableitet. Andere Historiker leiten den Namen vom keltischen Begriff kladyos (Schwert) her.

Die Entwicklung des Schwertes wird auf das 3. Jhd. v. Chr. datiert. Während der punischen Kriege (264 v. Chr. – 146 v. Chr.) übernahmen die Römer diese Art von Schwert wahrscheinlich von den Keltiberern. Besonders die ersten beiden punischen Kriege spielten hierbei eine Rolle. Aufgrund dieser Herkunft trägt die Waffe auch den Namen Gladius hispaniensis oder spanisches Schwert.

In unterschiedlichen Varianten blieb der Gladius als römisches Schwert bis in das 3. Jhd. n. Chr. Haupt-Nahkampfwaffe der römischen Infanterie und Kavallerie. Die römischen Legionäre unterschieden sich hinsichtlich ihrer Ausrüstung und Organisation deutlich von vielen anderen Armeen und Feinden ihrer Zeit. Als Haupt-Angriffswaffe nutzte der Legionär nicht etwa Speer, Axt oder Keule, sondern sein kurzes römisches Schwert. Gerade aufgrund seiner Einfachheit etablierte sich der Gladius zu einem der wichtigsten Eckpfeiler der strategischen und taktischen Überlegenheit der römischen Truppen. Die Legionen zeichneten sich insbesondere durch Mobilität und eine disziplinierte Einzelausbildung aus. Die stärkste und zahlenmäßig wichtigste Streitmacht bildeten die Fußsoldaten der Infanterie, für die der römische Gladius die ideale Waffe war.

Einsatzbereiche und Nutzungsweise des Gladius

In der Fechtweise zeichnete sich dieser Schwerttyp in erster Linie als Stichwaffe aus. Die Anwendung als Hiebwaffe ist möglich, jedoch weniger verbreitet. Dies hängt mit der Organisation und Formation römischer Legionen zu tun, die meist eng gestaffelt waren. Schlagbewegungen erfordern einen größeren Bewegungsradius, der einen nah stehenden anderen Legionär behindert oder verletzt hätte.

Tiberius Schwert, Gladius des Typs Mainz
Rekonstruktion eines Gladius Typ Mainz. Die verzierten Beschläge der Lederscheide zeigen Kaiser Augustus und Tiberius, daher wird es auch Tiberius-Schwert genannt.
Originalfund des Tiberius-Schwertes, der auf das Jahr 15 n. Chr. datiert ist. Es befindet sich im Bristish Museum.
Der Originalfund des Tiberius-Schwertes (15 n. Chr.) befindet sich im British Museum. (c) Caeciliusinhorto [CC BY-SA]

Die Ausbildung an der Nahkampfwaffe nahm einen enormen Stellenwert für jeden Legionär ein. Zunächst galt es, die Angriffe und Bewegungen an einem hölzernen Pfahl zu trainieren, bevor der Angriff menschlichen Gegnern galt. Bei Ausbildung und Übung kamen Schwerter aus Holz zum Einsatz, deren Form an ein römisches Schwert erinnerten. Um die Muskeln der Legionäre zu kräftigen, waren die Übungsgeräte von höherem Gewicht als die eigentlichen Waffen. Bei fortgeschrittener Ausbildung wurden die Übungen auch mit stumpfen Metallwaffen durchgeführt, die jedoch mit höherem Verletzungsrisiko einhergehen.

Im tatsächlichen Kampf führten Legionäre gezielte Stiche in Richtung Kopf und Hals des Gegners aus. Ziel war es, den Gegner effizient außer Gefecht zu setzen oder zu töten. Andere lebenswichtige Partien wie etwa die Brust waren meist durch Panzerungen geschützt, während die Beine mit dem relativ kurzen Gladius schwer zu erreichen waren. Große Bedeutung im Kampf mit dem Gladius kommt dem Scotum zu, einem massiven Schild. Mit dem Scotum wurden Gegner aktiv abgedrängt und gegnerische Stiche oder Schläge abgewehrt.

Auch die Verwendung als Hiebwaffe war möglich, besonders im Zusammenhang mit freien Kämpfen außerhalb der Legionärs-Formation. In schwierigem Terrain oder in Festungen und Gebäuden kamen neben den Stichen auch andere Fechtweisen zum Einsatz. Auch der freie Kampf war daher Gegenstand der Ausbildung.

Besonderheiten, Formen und Ausführungen der Gladii

Der Gladius ist archäologisch in verschiedene Bauweisen einzuteilen. Diese haben ihre Namen von ihren Fundorten, wobei sich drei Grundformen unterschieden lassen (neben diversen Übergangsversionen): der Typ Mainz, der Typ Hispanicum und der Typ Pompeji. In seiner frühesten Form aus dem 3. Jhd. v. Chr. hatte der Gladius eine Gesamtlänge von 75 bis 85 Zentimetern und ein Gewicht von bis zu 1000 Gramm. An der breitesten Stelle maß er 5 Zentimeter.

Stilprägend ist die meist taillierte Form des Blattes. Davon zu unterscheiden ist jedoch der Typ Pompeji, der über eine gerade Klingenform verfügt. Diese später entstandene Variante zeichnete sich unter anderem durch ein deutlich geringeres Gewicht aus. Die Klinge ist etwas länger als bei den Vorläufer-Typen, gleichzeitig aber auch schmaler und damit leichter. Der Typ Pompeji fand seit etwa dem 1. Jhd. Verwendung.

Vielleicht erinnert sich jemand: Das Gladius spielt eine kleine Nebenrolle bei Asterix und Obelix. In einer Szene soll sich Obelix mit einem Trainings-Gladius aus Holz gegen den Zenturio Nixalsverdrus wehren. Ihm ist der Sinn der Übung allerdings nicht ganz klar und so lässt er aus Zeitgründen lieber seine Faust spielen.

Abgrenzung zu anderen Schwertern

Eine Art Nachfolger fand der Gladius ab dem späten 2. Jhd. durch die Spatha. Diese Waffe ähnelte dem Gladius hinsichtlich Formgebung, zeichnet sich jedoch durch eine um etwa 20 Zentimeter längere Klinge aus. Damit eignet er sich besser für den Einsatz in der Kavallerie. Mit zunehmender Bedeutung des Kampfes zu Pferde löste die Spatha den Gladius allmählich ab, bis er ihn in der Spätantike großteils verdrängt hatte.