Interview mit unserer Modedesignerin Sarah

Kennt ihr schon unsere Modedesignerin Sarah? Sie ist für unsere eigene Battle-Merchant-Kollektion zuständig, plant die Produktlinien, entwirft die einzelnen Kleidungsstücke, kontrolliert die Produktion und stellt die Gewandung für Fotoshootings zusammen.

Sarah hat Modedesign an der AMD in Hamburg studiert. Danach verschlug es sie direkt zu Tom Tailor und dort blieb sie fast 6 Jahre, wobei sie jede Abteilung – Herren-, Damen- und Kinderbekleidung – durchlaufen hat. Wir freuen uns, dass wir sie vor drei Jahren zu uns holen konnten, um sich unserer Kollektion von historischer Gewandung zu widmen.

Sarah, wie bist du eigentlich zum Modedesign gekommen?

Das fing schon ganz früh in der Schule an, im Grunde damit, dass mir die Klamotten nicht gefallen und auch nicht richtig gepasst haben. Mit etwa 12 begann ich daher, mir selbst Sachen zu nähen.

Außerdem hatte ich in der Schule eine ganz tolle Lehrerin, die selbst Modedesignerin war und mir bei ganz vielen Projekten geholfen hat. Nicht nur bei textilen Werken, sondern beispielsweise auch bei Arbeiten mit Papier und Karton. Diese Lehrerin hatte einen riesigen kreativen Schatz an Möglichkeiten und hat vieles von ihrem Wissen an mich weitergegeben, auch bei privaten Nähprojekten.

So bin ich zum ersten Mal mit dem Beruf Modedesign in Kontakt gekommen, denn ’nur‘ Schneidern war mir immer etwas zu wenig. Ich wollte einfach mehr in die Richtung Design gehen. Während der Schulzeit habe ich auch verschiedene Praktika in Schneidereien gemacht. 

Hattest Du denn da schon das Interesse an historischer Gewandung oder kam das erst später?

Kostümgeschichte war für mich immer schon ein großes Thema. In der 12. Klasse durften wir uns ein Thema selber aussuchen, über das wir dann eine Arbeit schreiben sollten und da habe ich mich für Kostümgeschichte entschieden.

Mich hat es fasziniert, dass so viel von früher immer wieder in den ganz aktuellen Kollektionen auftaucht. Das fällt mir heute, wo ich selbst an historischen Gewändern arbeite, natürlich noch viel stärker auf: In fast jeder Kollektion findest du historische Zeugnisse, seien es Schnitte oder einfach nur Inspiration, bei denen ganz klar ist, die kommen aus dem Mittelalter oder aus der Kostümgeschichte.

Was reizt dich am meisten am Modedesign?

Mir ist die handwerkliche Arbeit immer ganz wichtig, was andere Designer oft nicht so mögen. Ich lebe mich dabei gern kreativ aus, muss die Sachen auch immer anfassen und habe da auch ein ganz gutes Gespür für Stoffe und Materialen, wie sie fallen.

Ich hatte außerdem schon immer ein großes Interesse an Stoffen aus natürlichen Materialien und Wollstoffen im Karomuster. Diese Erzeugnisse sind schon sehr alt – es gab sie bereits seit den Germanen.

Wie gehst Du vor, wenn Du ein neues Kleidungsstück designst?

Wenn ich eine neue Kollektion beginne, dann recherchiere ich erst einmal. Wir haben das Thema Mittelalter zwar im Studium behandelt, aber da hätte ich nicht gedacht, dass das für mich noch einmal so aktuell wird.

Zum einen schaue ich also, was es damals wirklich an Gewandung gab, um so nah am Original wie möglich zu sein. Zum anderen schaue ich aber auch, was die Menschen heute unter Mittelalterkleidung verstehen. Ein großes Thema sind zum Beispiel Blusen, denn die gab es im Mittelalter einfach noch nicht. Es gibt aber viele, die auf den Mittelaltermärkten gern eine Bluse zum Rock tragen möchten.

Es gibt ja auch Frauen, die sich im Kleid gar nicht so wohl fühlen.

Richtig. Und man kann die Gewandung damit auch vielfältiger gestalten. Du kannst verschiedene Blusen mit allerlei Röcken kombinieren, du kannst ein Mieder über die Bluse ziehen – es ist einfach insgesamt vielseitiger.  Hinzu kommen noch großartige Charaktere wie etwa die Schildmaid, also Frauen in der Schlacht, bei denen sich Hosen anbieten. Insbesondere im LARP gibt es einen großen Bedarf an Blusen.

Ich schaue deshalb immer, dass wir Kleidungsstücke für verschiedene Ansprüche haben. Es gibt eben zwei Arten von Kunden: Die einen wollen es historisch korrekt haben und die anderen wollen das tragen, was sie unter Mittelalter verstehen oder gehen eher in die Fantasy-Richtung.

Wovon lässt Du Dich inspirieren?

Momentan schaue ich wieder viel bei alten Darstellungen. Schwer finde ich das Arbeiten mit Fundstück-Fragmenten, weil da oft viel hineininterpretiert wird und jeder legt es anders aus. Bei manchen kann man sich Schnittdetails abschauen und manche textilen Funde sind auch komplett erhalten und können rekonstruiert werden. So bin ich zum Beispiel bei unserer Kragelund-Tunika vorgegangen, denn der Fund ist recht gut erhalten.

Es gibt tatsächlich auch viele konkrete Beschreibungen, Regelwerke von Kirchen zum Beispiel, in denen geklärt ist, was alles bedeckt sein muss, oder wer welche Farben trägt. Wobei das von Region zu Region so spezifisch gewesen ist, dass es immer nur eine Anregung sein kann.

Wie stellst Du so eine Kollektion zusammen?

Aktuell ist unsere Kollektion noch sehr basic-lastig, weil das das Grundgerüst einer jeden Kollektion ist, auch bei historischer Gewandung. Das Schöne an den Basics ist, dass man sie wunderbar kombinieren kann. Für ein Mittelalter-Outfit bietet sich auch ein Lagenlook an, also das Übereinanderziehen verschiedener Lagen mit unterschiedlichen Längen und Farben. Diese Outfits lassen sich durch eine Kette, schönen Kopfschmuck, oder einen hübschen Gürtel wunderbar aufpeppen.

Wenn ich dann also einen Grundstock an einfacherer Gewandung habe, kommen die Teile, die ein bisschen geschmückter sind, mit Aufputz, mit Bordüren und mit aufwendigerem Stoff. Manchmal merke ich auch, wenn ich unsere Outfits zusammenstelle, was noch an Kleidung fehlt.

Und wenn Du entschieden hast, was als nächstes entstehen soll, welchen Prozess durchlaufen deine Kreationen dann?

Wenn ich mir etwas überlegt habe, dann zeichne ich eine Skizze per Hand. Bin ich damit zufrieden, zeichne ich das Gewand am Computer, um der Schneiderei den Entwurf als technische Zeichnung zu schicken. Das ist nötig, damit sie wissen, was ich möchte. Dann suche ich Stoffe, Farben, Maße aus und erhalte einen Prototyp, den ich auf Design und Maße kontrolliere. Danach lasse ich einen gesamten Größensatz (meistens S bis XXL) kommen, um zu schauen, ob die Proportionen einer jeden Größe stimmen.

Wenn dann die erste Charge kommt, gibt es eine weitere Qualitätskontrolle, bei der wir prüfen, dass die Farben und die Einlaufwerte stimmen.

Was hat es mit Einlaufwerten auf sich?

Das ist ein Prozentwert, der angibt, wie weit ein Kleidungsstück beim Waschen eingeht. Die Kleidung aus unserer Kollektion ist gekrumpft, das heißt, sie wurde mit Wasserdampf vorbehandelt, damit sie beim Endverbraucher kaum noch eingeht. Meistens ist der Einlaufwert dann nur noch 4 %. Ich wasche die Kleidung dann also einmal, um zu schauen, ob der Wert tatsächlich stimmt.

Ist deine Arbeit dann abgeschlossen?

Nein, wenn das Kleidungsstück da ist, wird es noch abfotografiert. Dafür stelle ich Kombinationen zusammen und helfe beim Fotoshooting. Außerdem kümmere ich mich um die Produktbeschreibung, wenn die Gewandung in den Shop gestellt wird. Auch bei den späteren Lieferungen führe ich stichprobenartige Kontrollen durch.

Wie läuft die Arbeit mit der Schneiderei ab?

Unsere Schneiderei ist sehr zuverlässig und wir pflegen eine langjährige Beziehung. Besonders schätze ich das hohe Verständnis für Qualität und Umsetzung.  Der persönliche Kontakt ist dabei sehr wichtig. Ich kommentiere jeden Prototyp, was meistens ein ca. 2-3 Seiten DIN-A4 langer Text ist und dann besprechen wir die Details.

Unsere Schneiderei spricht daraufhin Empfehlungen in Bezug auf Verarbeitung und Schnittentwicklung aus. Auch die Maßtabellen werden dort noch einmal geprüft und im Zweifelsfall wird noch einmal nachgehakt. Das ist schon sehr angenehm.

Was dürfen wir in Zukunft noch Schönes von Dir erwarten?

Es gibt natürlich ohne Ende Themen, die wir in Zukunft noch bearbeiten wollen. Momentan arbeite ich an Wikingerkleidung, geplant sind aber auch Römer-Gewandungen, also einfache Gewänder, die dann gerafft werden. Auch in Richtung LARP und Fantasy wollen wir einige Projekte umsetzen. Es fehlt uns einiges an Gewandung des späten 15. Jahrhunderts. Und Gambesons und passende gepolsterte Accessoires sind auch in Planung.

Ich würde ganz gerne eine eigene kleine Lederkollektion mit Schuhen und anderen Accessoires designen. Das wäre mein ganz persönliches Highlight.

Danke für den Einblick in Deine Arbeit, Sarah!